Zunächst einmal wurde ich Ende Mai zur Eröffnung des Poker Card Casinos Café Bistro Livello in Innsbruck eingeladen, wo ich eine ganze Reihe neuer Bekanntschaften machte. Später wandte ich mich wieder meinen eigenen Projekten zu. Nachdem sich die Stadtmeisterschaften in Baden-Baden etabliert hatten, versuchte ich, die ersten Deutschen Meisterschaften im Seven Card Stud Poker (die zu dieser Zeit beliebteste Variante) außerhalb eines Casinos zu realisieren. Das war damals ein absolutes Novum, denn in Deutschland hatte es so etwa noch nie gegeben. Das Meisterschaftsturnier fand in Echterdingen statt, wurde als Freeroll gespielt und zog 200 Spieler an. Eine Woche lang liefen die Qualifikationsturniere, bis zu fünf Tische wurden gleichzeitig gespielt, die teilweise schon morgens um 8 Uhr voll besetzt waren. In der Region hatte man damals noch ein recht unverkrampftes Verhältnis zu dem Spiel, deshalb kam sogar der Bürgermeister des Orts persönlich vorbei, um die Preise zu überreichen. Poker war zu dieser noch so unbekannt, dass wir die Dealer aus Österreich „importieren“ mussten.
Aufgrund des Erfolgs organisierte ich direkt im Anschluss ein weiteres, größeres Turnier, das als „Weltmeisterschaft“ deklariert wurde, denn in Pokerkreisen liebt man derartige Superlative. Es wurde im September im Stuttgarter Flughafen veranstaltet, 400 Spieler sorgten für ein volles Haus. Inzwischen waren auch die Medien aufmerksam geworden. Zwei Fernsehsender, zwei Zeitschriften und eine ganze Reihe von Zeitungen hatten Medienvertreter geschickt, die über das Event berichteten. Allerdings war dies auch die teuerste Veranstaltungshalle, die ich jemals verwendet habe: 6400,- DM kostete der Spaß damals für ganze 10 h. Außerdem musste man den Raum um Mitternacht verlassen, also gab es für diesen Veranstaltungsraum keine Zukunft.
Nach diesen Erfahrungen entstand die Idee, mehr Gewicht auf Sachpreisturniere außerhalb der Casinos zu legen. Natürlich war überhaupt noch nicht abzusehen, welche Entwicklung sich in der Folge in Deutschland anbahnen sollte. Damit begann die Zeit der „Freizeitturniere“, wie ich die Events für Hobbyspieler nennen möchte. Von den Behörden erhielten wir damals noch aktive Unterstützung, Lokalitäten wurden uns zeitweise gratis zur Verfügung gestellt, unter den Spielern waren prominente Fußballspieler z. B. von den Stuttgarter Kickers, aber auch Polizisten, die dadurch keineswegs in Gewissensnöte kamen. Problematisch wurde es eigentlich erst, als zunehmend Veranstalter auf den Markt drängten, die unser System übernahmen und uns damit Konkurrenz machen wollten.
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